Seit 2017 organisiere ich Redesign-Democracy-Workshops und habe damit über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht. Nach eineinhalb Jahren komme ich zu dem Schluss: Junge Menschen für Demokratie begeistern reicht nicht; politische Organisationen müssen von innen heraus attraktiver werden. Dafür gibt es nun das Programm “Innovate Democracy”.

„The people who are crazy enough to think they can change the world are the ones who do“. In grellem pink haben wir dieses Stephe-Jobs-Zitat am Ende jedes Redesign-Democracy-Workshops an die Wand projiziert. Meistens konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht mehr an sich halten. Mal zehn, mal 50 Personen, eine Hand voll Coaches und die eingeladenen Vertreter von politischen Organisationen haben sich zum Abschied immer gegenseitig applaudiert, lagen sich in den Armen und waren einfach nur stolz. Stolz auf das, was sie geschafft haben. Stolz, dass sie in der Lage waren, ein diffuses Gefühl von „Da muss man mal was machen für die Demokratie!“ in konkrete Projektideen zu übersetzen, teils so detailliert ausgearbeitet, dass sie direkt in die Tat umgesetzt werden können. Und stolz darauf, dass jeder und jede für sich mit der Unterstützung aller anderen herausgefunden hat, wofür er oder sie eigentlich so brennt. Denn viele junge Menschen haben ein politisches Interesse in diesen Tagen, wo so viel schief läuft in der Demokratie. In den Redesign-Democracy-Workshops, die ich für das D.Collective konzipiert habe, wurden mit Hilfe der Innovationsmethoden aus Design Thinking meist junge Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei unterstützt, ihr Interesse in Engagement zu verwandeln. Und es hat funktioniert: Viele sind noch immer weiter in Kontakt miteinander, haben ihre Projekte in die Tat umgesetzt, sind in Parteien und politische Organisationen eingetreten und brennen dafür, etwas zum Positiven zu verändern.

Aus den Gesprächen mit unseren RDD-Alumni weiß ich aber auch: Es reicht nicht. Denn Parteien und politische Organisationen sind oft noch gar nicht bereit für motivierte, junge Neumitglieder. So berichten mir RDD-Alumni, die in Organisationen aktiv werden wollten, von zähen Neumitglieder-Seminaren, Endlosdiskussionen bei Jahresvollversammlungen, oder verkrusteten Organisationsstrukturen, in denen kein Platz ist für innovative Ideen. Anfang des Jahres haben Nachwuchspolitiker*Innen unter dem Slogan “Diese jungen Leute” via Twitter zahlreiche Erfahrungen zusammengetragen, die zeigen, wie schwer es für Innovationsträger sein kann, politische Organisationen zu modernisieren. Für innovative Sozialdemokrat*Innen habe ich 2018 das Format Disrupt SPD mitgestaltet. Es war eine Art Hackathon, in dem rund 100 junge und hungrige SPD-Mitglieder aus ganz Deutschland in nur einem Tag disruptive Ideen entwickeln konnten um die Partei nachhaltig zu modernisieren. Wir hatten schnell große Erfolge vorzuweisen, sahen uns aber auch vermehrt innerparteilicher Kritik ausgesetzt. Denn wer was reißen will, muss oft erst durch eine jahrelange “Ochsentour” gehen. Quereinsteigern wird das Leben schwer gemacht — nicht nur bei der SPD. Klar ist also: Junge Menschen zum politischen Engagement zu motivieren ist wichtig. Aber ebenso wichtig ist, Parteien und politische Organisationen attraktiver zu machen für Neumitglieder und auch für die eigenen Karteileichen.

Dafür gibt es nun Innovate Democracy. Wir modernisieren Parteien und politische Organisationen von innen. Mit neuesten Moderations-Methoden verwandeln wir langweilige Mitgliederversammlungen in inspirierende Events. Wir unterstützen mit agilen Ansätzen dabei, organisationsinternes Projektmanagement zu verbessern. Indem wir Tools wie Slack, Trello oder das Canban-Board vorstellen, etablieren wir mehr Transparenz — damit sich auch Neumitglieder schnell zurecht finden. Unsere Social-Media-Experten entwickeln eine zielgruppengerechte Ansprache, und unsere IT-Spezialisten programmieren benutzerfreundliche Websites, auf denen man auch wirklich das findet was man sucht. Wir erreichen das durch Coachings und Beratungs-Leistungen, aber auch, indem wir auf MeetUps Positivbeispiele vorstellen und Innovationsträger quer durch die Organisationen miteinander vernetzen.

Innovate Democracy richtet sich an Aktive aus politischen Organisationen. Wir arbeiten mit Politikern der demokratischen Parteien von der Ortsgruppe bis hin zum Bundesvorstand, mit gesellschaftspolitischen Vereinen und Verbänden von parteinahen Stiftungen über Friedensbewegungen bis hin zum lokalen Nachbarschaftsinitiativen, und mit nicht-institutionalisierten Initiativen wie Fridays/Parents/Scientists-for-Future. Ihnen allen geben wir Tools an die Hand, um ihre Arbeit besser zu machen — damit sie erfolgreicher werden in ihrem Kampf für die Demokratie und gegen Populismus.

Mehr Informationen: www.innovatedemocracy.de