Design Thinking kann man nicht erklären, heißt es, sondern man sollte den Design-Thinking-Prozess einmal selbst durchlaufen haben, um die Dynamiken, die Aha-Effekte und auch den Spaß, der dem Ansatz innewohnt, nachvollziehen zu können. Insofern ist es erstmal ein schwieriges Unterfangen, ein Buch über Design Thinking zu schreiben. Mit „Hands On: Design Thinking“ haben Conrad Glitza, Rosa-Sophie Hamburger und ich nun im Vahlen-Verlag ein Buch veröffentlicht, dass einem eigenen Workshop-Erlebnis so nahe kommt wie nur irgend möglich: Der Leser schaut dem Design-Thinking-Team während des gesamten Innovationsprozesses über die Schulter. Ein paar zusätzliche Kniffe stellen sicher, dass das Buch bei wiederholter Lektüre mit dem Wissensstand des Lesers gemeinsam wachsen kann. 

In jedem Mensch schlummert ein Innovator. Und jeder Mensch kann lernen, dieses Innovationspotential in sich freizusetzen. Das war die Prämisse, mit der Rosa-Sophie Hamburger, Conrad Glitza und ich im Sommer 2018 beschlossen haben, ein Methoden-Buch über Design Thinking zu veröffentlichen. Das Buch sollte „hands on“ sein wie eine Backmischung. Klar ist: Niemand wird über Nacht zum Meister-Bäcker. Aber man muss auch kein gelernter Konditor sein, um erste Erfolgserlebnisse in der Küche zu haben. Um dem Leser Design Thinking so niedrigschweillig wie möglich zu vermitteln, haben wir uns fünf unterschiedlicher Kiffe bedient, die in Kombination unser Buch einzigartig machen: Storytelling, Layout, Illustration, begleitende Fotos und die begleitenden Methodenkarten.

Storytelling

Design Thinking stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Warum aber wird in den meisten Design-Thinking-Büchern der Innovations-Ansatz mitsamt seinen Methoden so abstrakt erklärt? Zusätzlich erschien uns unverständlich, dass viele Bücher über Design Thinking sehr lange brauchen um in medias res zu kommen – weil den eigentlichen Methoden meist akademische historische Herleitungen vorneweg gestellt sind. „Hands on: Design Thinking“ macht all das anders. Bereits nach einem kurzen 15-seitigen Einstieg begegnet der Leser einem Design-Thinking-Team, das er während des gesamten Innovationsprozesses begleiten wird. Die Fragestellung, an der sechs Teammitglieder arbeiten, lautet: „Verbessere das Ernährungsverhalten älterer Menschen!“ Die Recherche-Phase führt die Berater zu einem Arzt, in einen Supermarkt, in ein Wirtshaus und sogar zu einem Grill-Abend in Berlin-Zehlendorf. Bei der Auswertung und im Brainstorming entstehen drei vielversprechende Konzepte, die allesamt zu Prototypen weiterentwickelt werden. Erst im Testverfahren bei der Zielgruppe zeigt sich, welche Lösung das Potential zur Implementierung besitzt – und welche potentiellen Partner und Unterstützer zusätzlich angefragt werden können. Seite für Seite nimmt nicht nur der Erkenntnisgewinn des Teams, sondern auch des Lesers immer weiter zu. Ein großer Dank gebührt an dieser Stelle auch Nathalie Bernwieser, unserer Lektorin vom Vahlen-Verlag, die stets darauf geachtet hat, dass die Story in sich stimmig bleibt!

Layout

Unterscheidet zwischen WAS (oberer Teil) und WARUM (unterer Teil): Das Storytelling im Buch nimmt den Leser an die Hand.

Was passiert bei unserem Design-Thinking-Team gerade? Warum wird diese Methode genau in diesem Moment angewandt? Und wie genau funktioniert die Methode? Drei unterschiedliche Fragen, die für den Leser je nach Erfahrungshintergrund unterschiedliche Relevanz haben. Im Layout unseres Buches spiegelt sich genau das wieder. Auf jeder Text-Seite wird im oberen Teil erzählt, was die einzelnen Mitglieder des Design-Thinking-Teams gerade tun. In roter Farbe sind die wichtigsten Methoden und Schlagworte hervorgehoben. Wer mehr Hintergrund erfahren möchte, erfährt im unteren Teil das Wesentliche zu den Begriffen, etwa warum sie an dieser Stelle eine Rolle spielen. Das Wie haben wir komplett aus dem Buch herausgehalten, um den Lesefluss nicht zu sehr zu unterbrechen. Details zu den einzelnen Methoden finden sich, wie bei einer Bedienungsanleitung, auf den 40 beiliegenden Moderationskarten, die gleichzeitig als Spickzettel bei ersten eigenen Workshops dienen können. Auf diese Weise kann das Buch mehrmals gelesen werden: Einmal im Schnelldurchlauf nur mit der Story im oberen Teil der Seiten. Ein zweites Mal mitsamt der ganzen methodischen Erläuterungen. Und ein drittes, viertes oder fünftes Mal mit Fokus nur auf einen bestimmten Teil des Prozesses, oder auf einige wenige Methoden – dann aber im Detail, mit Buchseiten und Methodenkarten. Wer sich so Schritt für Schritt dem Innovationsprozess angenähert hat, der ist schnell in der Lage, erste eigene Workshop-Sitzungen zu moderieren.

Illustration

Ein Pferd mit Haus wird zur Kutsche: Die Illustrationen von Hannah Hamburger fügen dem Buch noch eine ganz eigene, zusätzliche Erzähl-Ebene hinzu.

Es ist kein Geheimnis, dass ich selbst nicht gut zeichnen kann. Ich hatte in der Buchproduktion den Text-Lead mit Fokus auf Storytelling und natürlich Sprache. Umso beeindruckter war ich, als ich nach und nach realisiert habe, wie sehr ansprechende Zeichnungen jeden Teil des Buches noch weiter aufwerten! Mit Hannah Hamburger konnten wir die Mutter von Rosa-Sophie Hamburger mit ihrem einzigartigen Zeichenstil für die Illustration gewinnen. Ihre Zeichnungen haben nicht nur einen ganz eigenen, sympathischen Stil, sondern die Motive, die Hannah in Absprache mit der Redaktion entwickelt hat, erzählen auch eigene Geschichten. So sind die Illustrationen nicht nur die bloße visuelle Übersetzung dessen, was der Text ohnehin schon aussagt. Stattdessen geben die Zeichnungen dem Buch eine weitere, zusätzliche Erzähl-Ebene, nicht selten mit einem Augenzwinkern und einer Prise Ironie.

Fotos

Hoch hinaus: Der Photoshooting-Marathon zum Buch dauerte mehr als zwölf Stunden.

Beim Bildmaterial, das wir im Buch verwenden, handelt es sich nicht um Stock-Fotos. Wir konnten unseren Freund und Fotograph Martin Funck dafür gewinnen, in einem ganztägigen Photoshooting-Marathon tatsächlich ein Design-Thinking-Team durch einen nachgespielten Innovationsprozess zu begleiten. Jedes Detail wurde dabei mit Liebe von Hand vorbereitet: Die Raum-Dekoration, die unterschiedlichen Handschriften auf den Post-Its, der Schattenwurf auf die Whiteboards. Außerdem waren auch zwei Außen-Shootings in den Tag integriert: Für eine Brainstorming-Session unter freiem Himmel, und natürlich für die Recherche im Supermarkt und in der Arztpraxis. Das Photoshooting war ein Erlebnis für sich, aber es hat sich gelohnt: Es bietet dem Leser einen enormen Mehrwert, dass er auf den Bildern immer genau das sieht, was das Team im Storytelling auch gerade tut.

Hands on: Mit Hilfe von 40 Methodenkarten kann der Leser direkt eigene kleine Workshops durchführen.

Methodenkarten

Die 40 dem Buch beiligenden Methodenkarten sind insgesamt nochmal genauso dick wie das Buch selbst. Sie können vom Leser an einer Mikroperforation herausgetrennt werden und verkörpern den praktischen Nutzwert von „Hands On: Design Thinking“. Schließlich wollen wir den Leser ausdrücklich dazu ermutigen, selbst Hand anzulegen und seine ersten kleinen Workshops zu moderieren. Jede Moderationskarte verweist explizit auf einzelne Stellen im Buch, sodass die Methoden dem Storytelling sehr einfach zugeordnet werden können. Übersichtlich wird auf jeder Karte beschrieben, was das Ziel der einzelnen Methode ist, was dafür gebraucht wird, wie lange es dauert, wie die einzelnen Schritte der Durchführung aussehen und auch, welche anderen Methoden man direkt danach einsetzen kann. So können die Methodenkarten auf einem langen Tisch oder dem Boden aufgereiht, nach und nach zu einem Workshop-Ablauf zusammengesetzt werden. Außerdem kann man sie als Spickzettel in den Workshop mitnehmen.

Glitza, Hamburger, Metzger (2019): Hands On Design Thinking.
Vahlen-Verlag, ISBN 978-3800660735.
22,90 EUR