Im Frühjahr 2019 habe ich das D.Network gegründet, ein Netzwerk aus Innovationsberatern und Design-Thinking-Coaches. Dem vorausgegangen sind zweieinhalb Jahre im Vorstand und im Lead Circle des gemeinnützigen D.Collective e.V. Die Learnings daraus und aus verschiedenen anderen Vorstands- und Beratungstätigkeiten für NGOs und Initiativen fließen direkt in meine Leistungen der Organisationsberatung ein. Die wichtigsten 10 lessions learned fasse ich in diesem Artikel zusammen.

1. Start with the Why, stimmt natürlich, aber eben auch: Don’t forget about the How.
Ein gemeinsames Ziel schweißt dich und dein Team zusammen, aber mindestens genauso wichtig sind diese Fragen: Wie wollt ihr denn eigentlich zusammenarbeiten? Basisdemokratisch oder hierarchisch? Schnell und agil, oder so, dass auch der oder die Langsamste mitkommt? Gewinnorientiert, oder pro bono? Oft sind es die Hows, an denen es scheitert.

2. Gib dir ein Regelwerk.
Im Regelwerk werden die Hows operationalisiert. Es bringt nicht viel zu beschließen, „transparent“ arbeiten zu wollen oder „nachhaltig“ Ressourcen zu schonen. Denk dir Beispiele aus, was das für welche Situation in deiner Organisation konkret bedeuten kann. Schreib es auf. Wenn etwas schwarz auf weiß in einem (Online-)-Dokument niedergeschrieben ist, kannst du jederzeit darauf verweisen. Das ist auch wichtig für das Onboarding und das Recruiting.

3. Beschränke den Zugang zu deiner Organisation.
Nicht jeder teilt deine Vorstellungen, deshalb brauchst du einen Gate Keeper, Zugangsvoraussetzungen und vielleicht sogar ein Aufnahmeritual. Auch ist es gut, Mechanismen zu etablieren, durch die du „toxische Mitarbeiter“ wieder los wirst. Wenn du ein Unternehmen gründest, regelt das ein Arbeitsvertrag. Aber selbst wenn du eine Bewegung aufbauen willst, die davon profitiert schnell zu wachsen, tust du gut daran, zumindest den Zugang zum engen Lenkungskreis zu beschränken.

4. Arbeite in Sprints.
Lass dich von Scrum inspirieren und leite aus deinem Purpose und deiner Vision mittel- und kurzfristige Ziele ab. In Etappen von einem Monat oder einem Quartal evaluierst du mit deinen Mitarbeitern, wie die Zusammenarbeit gelaufen ist, und wie das Regelwerk geändert werden müsste, damit die nächste Sprint-Etappe noch besser läuft.

5. Gib deinen Teammitgliedern die Chance, sich immer wieder aktiv dafür zu entscheiden.
Manchmal ist man in einer Organisation drin und bleibt es dann auch, weil es bequem ist. Karteileichen bringen dich im Zweifel aber nicht voran, demotivierte und unproduktive Mitarbeiter erst recht nicht. Gib am Ende eines Sprints jedem Teammitglied die Gelegenheit zu entscheiden, ob er oder sie im nächsten Sprint weiterhin aktiv dabei sein möchte. Das impliziert auch die Möglichkeit, sich im Guten zu trennen – statt sich endlos auf die Nerven zu gehen.

6. „Ohne Hierarchie“ gibt es nicht.
Eine hierarchiefreie Organisation ist eine Illusion. Wo keine expliziten Hierarchien existieren, gibt es Informations-, Sympathie- und andere Machtgefälle. Soziokratie und Holokratie sind zwei gute Ansätze, um zu verhindern, dass sich zu viel Macht in derselben Person bündelt. Es hilft, Machtkonzentrationen explizit aufzuzeigen. Wenn eine Person mehr entscheiden darf als andere, dann sollte das auch jeder wissen.

7. Transparenz ist nicht Basisdemokratie.
Transparenz funktioniert dort gut, wo Vertrauen vorhanden ist, ansonsten wirkt sie als lähmendes Mittel zur Kontrolle. Und: Nur weil potentiell jedes Teammitglied Einsicht in alle Informationen hat, sollte nicht jedes Teammitglied überall mitreden. Generell sollten Entscheidungen immer gefällt werden von einer Mischung aus Personen die Ahnung haben, und Personen die direkt betroffen sind.

8. Stärken stärken.
Lass jedes deiner Teammitglieder möglichst das tun, worin er oder sie gut ist. Wenn du jemanden zu lange davon abhältst, seine Ziele innerhalb deiner Organisation zu verfolgen, dann wird er es woanders tun.

9. Komm ins Machen.
Tue das, wofür du deine Organisation gegründet hast, und zwar zusammen mit deinen Teammitgliedern. Nur so merkst du, ob ihr wirklich zusammenarbeiten könnt. Damit meine ich: Tue es wirklich. Sprich nicht in Meetings darüber, wie es sich anfühlen könnte, ins Machen zu kommen, und halte dich nicht zu lange mit komplizierten Struktur-Debatten auf. Komm ins Machen! Vielleicht erstmal im kleineren Maßstab, aber besser als gar nicht.

10. Hab Spaß.
Wenn du mit deinen Teammitgliedern nicht gerne im selben Raum bist, wenn du nicht gerne ein Bierchen mit ihnen trinken gehst und über keinen ihrer Witze lachen kannst, dann, ja dann hast du ein Problem. Denn in jeder Organisation, wo Menschen zusammenarbeiten sollen, geht es auch ums Zwischenmenschliche. Hand auf’s Herz: Du solltest deine Zeit mit Menschen verbringen, die sich gegenseitig wertschätzen.