Magisterarbeit: Urban Games – die Stadt als Spielfeld

Magisterarbeit_Michael Metzger_FotoGanz Berlin in einen Vergnügungspark verwandeln: So lautete die Mission von 500 jungen Menschen, die im Sommer 2011 Spreezone gespielt haben. Drei Wochen lang haben sie in Hostels im touristisierten Berlin-Mitte Regenwald-Selbsterfahrungsparcours aufgebaut, haben in Marzahn-Hellersdorf mit den Geistern verstorbener Haustiere telefoniert, in Halensee zu Monster-Schaukämpfen eingeladen oder in Moabit um die Wette Graffitis fotografiert. Als Sammlungspunkt der Gruppe diente das Internet, zur Koordination ein SMS-Verteiler. Wesentliche Teile des Spieles fanden jedoch jenseits von Computer und Mobiltelefon statt – auf den Straßen und Plätzen Berlins, in Hostels, Bars und Clubs. Immer wieder ließen die Spieler Passanten verdutzt zurück. Wer nicht eingeweiht war, dem blieb die Spielwelt von Spreezone verborgen.

In meiner Magisterarbeit mit dem Titel Urban Games. Die Stadt als Spielfeld untersuche ich die Effekte des Spieles auf die Spielerinnen und Spieler. Mit Hilfe teilnehmender Beobachtung gewähre ich einen sehr dichten Einblick in den Ablauf des Spieles. Nah dran am tatsächlichen Geschehen, arbeite ich anhand ausgewählter Momentaufnahmen heraus, wie sich das Spielerlebnis auf die Wahrnehmung des städtischen Umfeldes auswirkt, welche langfristigen Veränderungen es im Bewußtsein der Spielerinnen und Spieler bewirkt und was das alles mit einer Aneignung von Stadt in einem politischen Kontext zu tun hat.

Die Magisterarbeit Urban Games. Die Stadt als Spielfeld habe ich im September 2013 am Institut für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität zu Berlin eingereicht. Die Arbeit wurde mit der Note 1,0 bewertet. Hier gibt es das Exposé zum Download, und hier die Magisterarbeit in der finalen Version.

 


Spiel den Kiez: Es geht weiter!

Heute fand bei mir in der WG-Küche ein Arbeitstreffen vom Projekt Spiel den Kiez statt. Bei Spiel den Kiez handelt es sich um ein spielbasiertes Kommunikationstool. Spiel den Kiez ist Experiment, ist Mitreden, ist Bürgerbeteiligung und gemeinsames Stadtgestalten. Das Partizipationsspiel ist eine Initiative junger Berlinerinnen und Berliner, die sich beruflich und/oder aus Leidenschaft Stadtthemen widmen. Es basiert auf dem Planungsspiels „The Initiator, the Artist, his Advocate and the Urbanist“ (IAAU), das international bereits ausführlich erprobt wurde.

Ende August 2014 wurde Spiel den Kiez mit Unterstützung des lokalen Quartiersmanagements im Berliner Schillerkiez veranstaltet und mit Anwohnerinnen und Anwohnern gespielt. Ziel des Spiels war es, die sehr diverse Nachbarschaft des Kiezes zusammen und ins Gespräch zu bringen. Seitdem hat sich einiges getan: Im Team haben wir das Spiel evaluiert, dekonstruiert und auf seine Stärken und Schwächen analysiert. Beim heutigen Arbeitstreffen haben wir überlegt, wie wir dieses spielbasierte Tool auf andere Regionen anpassen und weiterentwickeln können.

Gute Ideen wurden gesponnen, die es nun gilt, weiterzuentwickeln. Es gibt Anfragen aus verschiedenen Städten und Kiezen. Wir haben heute den Aufschlag für ein Konzept erarbeitet, das wir bei einem nachfolgenden Meeting konkretisieren werden. Klar ist: In Spiel den Kiez steckt großes Potential, das erkennen nicht nur wir, sondern das erkennen auch externe Auftraggeber. Es steckt aber auch noch viel Arbeit in dem Projekt, die unsere Gruppe in der nächsten Zeit leisten wird.

Interessenten finden hier die Dokumentation des ersten Settings aus dem Schillerkiez.
SPIEL-DEN-KIEZ_Dokumentation2014