Zitty Berlin: Bei den Effektiven Altruisten

„Stellt euch vor, jeder von euch hat zehn Euro zur Verfügung, um damit Gutes zu tun“, beginnt Johannes Treutlein seinen Workshop Giving Game. „Würdet ihr das einem blinden Freund geben, damit er sich einen Blindenhund leisten kann?“ Ich halte das für eine gute Idee, werde aber gleich vom Referenten unterbrochen. Denn eigentlich gehe es meinem blinden Freund ja relativ gut. Und mit demselben Betrag könnte ich zehn Moskitonetze für ein afrikanisches Dorf kaufen und mutmaßlich zehn Kinder vor dem Malaria-Tod bewahren. Moment mal: Zehn Menschenleben gegen eines abwägen – darf man das überhaupt?

Mitte November, Spreewerkstätten am Alexanderplatz, ein Kongress des Betterplace Lab, der Vordenker-Abteilung für digital-soziale Themen der gemeinnützigen Spendenplattform Betterplace.org. Unter dem Titel „Wenn Computer unsere Moral berechnen“ diskutieren einen Tag lang über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über rationale Grundlagen für moralische Entscheidungen. Einfach ist das nicht. Was nämlich, wenn die zehn soeben geretteten Kinder in Afrika tags darauf wegen Wassermangel tot umfallen? Mein blinder Freund hingegen würde in seiner Berliner Altbau-Wohnung den Hund wohl nicht verdursten lassen.

Nach welchen Parametern die Anhänger der Bewegung Effektiver Altruismus ihre Entscheidungen fällen und welche Probleme wir bei dem Kongress hatten, dieses Bewertungs-System selbst einzusetzen, das berichte ich in meinem Beitrag für die vergangene Ausgabe der Zitty, und online hier.