MELO Oberschule: KreativitätsCoaching

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Treffen sich Hitler, Jörg Haider, eine Wutbürgerin aus Heidenau und eine blonde Russin in der Selbsthilfegruppe. Klingt wie der Beginn eines seltsamen Witzes? Ist es aber nicht. Es ist der Anfang einer Performance der K12 der MELO-Oberschule in Berlin-Moabit, ein Ergebnis von drei KreativitätsCoaching-Workshops, die ich dort mit meiner Kollegin Miriam Schmitt für die Agentur policult am 1., 2. und 3. September durchgeführt habe.

Zu Beginn jeder achtstündigen Coaching-Session haben wir gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern jeweils einer zwölften Klasse Vortragsthemen identifiziert, die einerseits am sozialen Schwerpunkt der berufsvorbereitenden MELO andocken, andererseits aber auch die Schüler selbst brennend interessieren – weil sie mit dem unmittelbaren sozialen Umfeld oder auch den eigenen Hobbies zu tun haben. Mit Hilfe von Methoden aus dem Design Thinking konnten die Teilnehmer sehr schnell sehr viele kreative Ideen entwickeln und, aufbauend auf den Vorschlägen der anderen Schüler, vorgeschlagene Themen um eigene Aspekte ergänzen.

In einem demokratischen Auswahlprozesses hat anschließend jede Klasse drei bis vier Themenfavoriten ausgesucht, um die sich fünfköpfige Teams gruppiert haben. Im zweiten Teil des Workshops stand jedes Team vor der Herausforderung, aus der Idee und den Themenvorschlägen ein stimmiges Narrativ und eine kreative Bühnenperformance zu entwickeln. Miriam und ich standen mit Präsentations-Methoden aus Design Thinking sowie unseren Erfahrungen aus den Science Slam-Coachings beratend zur Seite. Die Tatsache, dass alle Workshops in einem Kunstraum stattfanden und alle Requisiten in die Vorträge integrieren durften, entfesselte zusätzlich die Kreativität der Schülerinnen und Schüler.

Die Abschlusspräsentationen der Schülergruppen bildeten am 4. September den Abschluss der Workshop-Reihe. Es war ein ungewöhnlicher Start in das noch junge Schuljahr, der zeigte, was mit ein bisschen kreativem Input möglich ist: Da explodierte zum Thema „Drogenentzug“ ein Joint aus Papier und Puderzucker, am Beispiel von Batman wurden die Probleme von Selbstjustiz und Ehrenmord herausgearbeitet, und das nachgestellte Outing eines homosexuellen Fußballspielers brachte die Thematik der Gleichberechtigung zur Sprache. Und die Nazi-Selbsthilfegruppe? Ohne zu viel zu verraten: Oft ist Gewalt nur ein stummer Schrei nach Liebe. Und Nazis können sich – Arier hin, deutsches Blut her – auch in russische Blondinen verlieben. Das Publikum jedenfalls wurde mit einem furiosen „Stop! In the Name of Love“ ins Wochenende entlassen.

Übrigens, wer sich näher für das KreativitätsCoaching interessiert: Das Konzept zum Workshop gibt es hier.