tip: Shalom Berlin

Europa ist zu gefährlich für Juden, sagte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu als Reaktion auf die jüngsten Anschläge in Paris und Kopenhagen und empfahl, doch besser nach Israel zu kommen. Für die aktuelle Ausgabe des tip Berlin habe ich jüdische Berlinerinnen und Berliner gefragt, ob das hier in der Hauptstadt genauso gesehen wird.

Noa Lerner, die Inhaberin von Milk&Honey Tours, bietet seit zehn Jahren ihre Europa-Stadttouren an jüdische Reisende aus aller Welt an. Erst in jüngster Zeit werde sie ständig gefragt, ob sie denn überhaupt noch empfehlen könne, nach Europa zu reisen – wegen der Sicherheit. „Ja und nein“, lautet dann immer die Antwort der Unternehmerin. Das Sicherheitsrisiko habe vielleicht zugenommen. „Andererseits ist es doch so: Je mehr Juden in Europa sind, je stärker das Netzwerk und der Austausch auch mit Amerika und Israel, desto sicherer können sich die jüdischen Bürger in Berlin fühlen“, so die Unternehmerin.

Ob es einen neuen Antisemitismus gibt? Asaf Moses, der Gründer des StartUps Fit Analytics, tut sich schwer mit dem Wort. Antisemitismus, dieser Begriff erscheint ihm sehr groß. Moses überlegt, dann sagt er: „Antisemitismus ist für mich, was die Nazis mit Juden gemacht haben, Holocaust und alles. Dafür ist dieses Wort reserviert.“ Heutzutage, so Moses, beobachte er zwar erneut eine Feindseligkeit gegenüber Menschen jüdischen Glaubens. Die aber will er nicht mit „Antisemitismus“ labeln, auch deshalb, weil diese Feinseligkeit nicht nur Juden betrifft. „Heute findet ein Konflikt statt zwischen radikalen Fundamentalisten und der gesamten westlichen Welt“, glaubt Moses. Juden sind seiner Meinung nach allerdings am stärksten betroffen, und wer sich offen als Jüdisch zu erkennen gibt, wird schneller zur Zielscheibe als alle anderen Religionen oder Ethnien.

Habait, das heißt Zuhause. Die Initiative Habait setzt sich ein, um moderne israelische Kultur an wechselnden Orten in Berlin, mit wechselnden Inhalten: Konzerte, Theater, Tanzveranstaltungen, ein jüdisches Karnevalsfest zu zeigen. In dieses Zuhause, so die Idee von Habait-Gründern Nirit Bialer, sollen dann viele Menschen eingeladen werden, Israelis, Juden und Nicht-Juden, und miteinander ins Gespräch kommen. „Wir wollen der Stadt die israelische Kultur zugänglich machen“, sagt Bialer, „und zwar zeitgenössische Kultur, und nicht nur Klezmar-Kitsch.“ Berlin verlassen kommt für Nirit Bialer derzeit nicht in Frage. Und doch: „Bei unseren Veranstaltungen, die ja ausdrücklich mit ihrem israelischen Kontext werben, legen wir mittlerweile großen Wert darauf, dass die Polizei in Alarmbereitschaft ist. Sicher ist sicher.“

Die vollständigen Interviews sowie weitere Portraits von jüdischen Berlinerinnen und Berlinern gibt es in der aktuellen Ausgabe des tip Berlin ab jetzt für 14 Tage am Kiosk zu kaufen.

1 Kommentar zu "tip: Shalom Berlin"

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